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Wüstenrallye 'el Chott' in Tunesien mit Trabant !!
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Interview mit Radio Mittweida
Jahrgang: 2. September 1968
Ausbildung & Erfahrung in:
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Erkundungstour in Lappland zum Jahreswechsel
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Nach Rippenbrüchen und mit Bärenglocke: Warum ein Erzgebirger dennoch 63 Kilometer durch Südosteuropa rennt
Marathon und Rallyesport sind die Leidenschaften von Jens Fritzsch. In diesem
Jahr startete der Stollberger beim K3 Ultra-Marathon in Bulgarien. Zum ersten
Mal seit vielen Jahren wieder mit seiner Schwester.
Manchmal geht es auch für Jens Fritzsch noch extremer als üblich. Der Stollberger, der unter anderem schon 250 Kilometer durch die Wüste rannte, die Rallye Paris - Dakar fuhr und zehnmal am Rennsteiglauf teilnahm, erlebte in diesem Jahr vor seinem Ultra-Marathon in Bulgarien eine Herausforderung der besonderen Art. Am 14. Juli wollte er einem Kumpel mit dessen Kirschbaum helfen. "Und dann bin ich vom Baum gesegelt", erzählt er. Der 57-Jährige stürzte aus zehn Metern in die Tiefe und brach sich nicht nur neun Rippen. Der gelernte Gärtner verletzte sich auch die Milz und erlitt einen Lungenkollaps. Er landete für mehrere Tage auf der Intensivstation. Doch damit war der Traum vom ersten Ultra-Lauf in Bulgarien für Jens Fritzsch nicht ausgeträumt.
Die Verletzungen seien relativ schnell geheilt, sagt er. Dennoch startete er am 27. September bei Zlatograd an der Grenze zu Griechenland die 63 Kilometer mehr oder weniger aus der Kalten. Ultra-Marathons sind Läufe, die länger als die Marathon-Distanz von 42,195 Kilometern sind, eine genaue Streckenlänge ist nicht definiert. Viel trainiert hatte der Erzgebirger nicht, ein paar Radtouren waren die einzige Vorbereitung. "Da ich eine gute Grundlagen-Kondition habe, kann ich auch mal zwei oder drei Wochen nicht trainieren. Da passiert nix", sagt er, dessen Marathon-Bestzeit bei 3:16 Stunden liegt. Für die 63 Kilometer durch das Rhodopen-Gebirge benötigte er, der sich einen Genussläufer nennt, 12:52,50 Stunden. Das bedeutete Rang 75 unter insgesamt 79 Läufern, in seiner Altersgruppe Ü50 belegte der Erzgebirger den 14. Platz. Die letzten zwei Stunden im Dunkeln leuchtete ihm die Stirnlampe den Weg. Während das Leuchtmittel keine Pflicht war, mussten die Läufer dagegen eine Bärenglocke mit sich führen. "Es soll dort Bären geben. Ich bin aber keinem begegnet", sagt Jens Fritzsch.
Am Ziel empfing ihn seine Schwester Katrin, die die 43-Kilometer-Strecke in den Bergen in 6:35,22 Stunden bewältigt hatte. Dafür gab es Platz 27 unter 47 Frauen (Ü50-Wertung: Rang 5). Für Jens Fritzsch war der Ultra-Marathon in Bulgarien auch deshalb so wichtig, weil es seit etlichen Jahren die erste Rennveranstaltung mit ihr gemeinsam war. "Früher sind wir viel zusammengelaufen, waren etwa bei den Marathons in Berlin und Paris und sind regelmäßig beim Rennsteiglauf gestartet", erzählt der 57-Jährige. Mit seiner Schwester hat er nicht nur die Leidenschaft für lange Läufe gemein. Die beiden sind auch am selben Tag geboren, ein Jahr voneinander getrennt. Jens Fritzsch kam am 2. September 1967 zur Welt, Schwester Katrin, die mittlerweile nicht mehr Fritzsch, sondern nach ihrer Heirat mit einem Ultra-Triathleten Günther heißt, am 2. September 1968. Um wieder einmal mit ihr zu laufen, hat er sich genau überlegt, wo er dieses Jahr an die Startlinie geht.
Jens Fritzsch wählt die Lauf-Veranstaltungen sehr gezielt aus. Bedingung für ihn ist, dass er jeden Ultra-Marathon nur einmal absolviert, weil er immer wieder Neues erleben will. "Das ist mein Antrieb, neue Bilder sehen, Naturschauspiele erleben. Ich war schon in 57 Ländern. Bulgarien hat bisher gefehlt." Zudem sei das Land nah an Deutschland, so dass seine Schwester zusagte. "Ich fahre nicht für einen Marathon um die halbe Welt", erklärt sie. Nach dem Tod der Mutter im vorigen Jahr sei ihr ein gemeinsames Erlebnis mit ihrem Bruder wichtig gewesen. Nach der Anmeldung Anfang März begann sie mit dem Training. Denn auch wenn beide Marathon-Fans sind, die Art der Vorbereitung verläuft bei Bruder und Schwester sehr unterschiedlich. "Ich bin der akribische Typ, Jens sieht das eher locker." Und so absolvierte Katrin Günther, die mittlerweile in der Pfalz lebt, viele Läufe, schruppte Höhenmeter. Jens Fritzsch dagegen absolviert sein Training, wenn er nicht gerade von einem Kirschbaum fällt, bei zahlreichen Volksläufen. Dort nimmt er zumeist zehn Kilometer unter die Füße. "Das ist für mich dann eher ein Sprint."
Beide Geschwister entdeckten unabhängig voneinander die Liebe zum Ausdauersport. "Ich bin mit 18 Jahren aus Stollberg weg zum Studium und wir haben uns ganz selten gesehen", erinnert sich Kathrin Günther. In den 1990er-Jahren nahmen sie regelmäßig gemeinsam an Marathons teil, ihre Bestzeit steht bei 3:35 Stunden. "Jens rief immer an, wenn er wieder was geplant hatte: ‚Kleene, es geht wieder los‘", erzählt die ein Jahr Jüngere. Die Teilnahme am Lauf in Bulgarien bereut sie nicht. "Auch wenn das Gelände mit seinen Höhenmetern Wahnsinn war und ich wohl nicht mitgemacht hätte, wenn ich das gewusst hätte." Die Veranstaltung sei liebevoll organisiert gewesen. "Es war traumhaft im Rhodopen-Gebirge, sehr urig und sehr ursprünglich. Ich bin froh, dass ich mich habe breitschlagen lassen."
Ihr Bruder liebt es jedoch nicht nur die langen Kanten zu laufen, seine Leidenschaft gilt auch dem Rallyesport. Mit einem Motorrad bretterte er schon durch Wüsten, raste von St. Petersburg zum Schwarzen Meer und zurück und düste durch schwedischen Schnee. Im nächsten Oktober will er erstmals eine Veranstaltung zum zweiten Mal erleben – die Wüstenrallye "el Chott" in Tunesien. Der Grund: Der Erzgebirger will nicht auf zwei Rädern antreten, sondern mit einem umgebauten Trabant. Doch das Abenteuer steht noch nicht ganz fest. Denn der Extrem-Läufer liebäugelt auch mit einer Teilnahme an einem Ultra-Marathon in Bolivien. Auf einer Höhe von 3600 Metern stehen 220 Kilometer an sieben Tagen auf dem Programm. Problem: Der "Ultra Bolivia Race" findet Ende September statt und damit kurz vor der Rallye durch die Wüste. Beides ist schwer machbar, sagt Jens Fritzsch. Noch hat er sich nicht entschieden. (hfn)
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